4,6 Millionen Euro im Haushalt 2027
Koalitionsvertrag 2025 · Bundeshaushalt 2027
Die Koalition will die Finanzierung aller acht Bundeskulturfonds stabilisieren und das ehrenamtliche Engagement in Amateurkultur und -musik gezielt stärken. Der Amateurmusikfonds liegt genau in der Schnittmenge dieser beiden Vorhaben.
Der Fonds ist aufgebaut, erprobt – und seit der ersten Runde deutlich überzeichnet.
Der Deutsche Bundestag beschloss den Amateurmusikfonds im November 2022 für das Haushaltsjahr 2023 mit 5,0 Millionen Euro. Seither wurden drei Ausschreibungsrunden durchgeführt – alle deutlich überzeichnet. Der Förderbedarf ist damit kein kurzfristiger Effekt, sondern dauerhaft und bundesweit nachgewiesen.
Statt den bewährten Fonds zu stabilisieren, sieht der Regierungsentwurf für 2027 nur noch 3,0 Millionen Euro vor – 1,6 Millionen Euro beziehungsweise rund 35 Prozent weniger als 2026 und deutlich weniger als bei seiner Einrichtung.
Dafür muss der Ansatz im parlamentarischen Verfahren um 1,6 Millionen Euro erhöht werden.
Der Amateurmusikfonds schließt im System der Bundeskulturfonds die Förderlücke für das nichtprofessionelle Musikleben. Er richtet sich gezielt an die überwiegend ehrenamtlich getragenen Strukturen der Amateurmusik. Statt den regulären Proben- und Vereinsbetrieb zu finanzieren, gibt er neuen Entwicklungs- und Modellprojekten den entscheidenden Anschub. Engagierte vor Ort bringen eigene Ideen, Eigenmittel, ehrenamtliche Zeit und Kooperationen ein. So aktivieren Bundesmittel lokale Gestaltungskraft und befähigen Ensembles, notwendige Transformationsprozesse selbst anzustoßen.
Seine Wirkung reicht bis in kleine Orte und ländliche Regionen. Gerade dort sind Chöre, Orchester und Musikvereine kulturelle und soziale Infrastruktur: Sie bewahren musikalische Traditionen, schaffen Zugehörigkeit und gestalten Heimat.
Neue Zugänge für Kinder und Jugendliche schaffen und Ensembles für kommende Generationen öffnen.
Ensembles befähigen, sich mit Veränderungsprozessen auseinanderzusetzen, ihre Strukturen weiterzuentwickeln und neue Formate zu erproben.
Erfolgreiche Ansätze aufbereiten und praxiserprobtes Wissen dauerhaft für Chöre, Orchester und Musikvereine verfügbar machen.
Indem der Fonds Entwicklung auch dort ermöglicht, wo eigene finanzielle und personelle Ressourcen knapp sind, stärkt er kulturelle Teilhabe in der Fläche. So trägt er dazu bei, dass der Zugang zu Kultur und gemeinschaftlichem Engagement nicht vom Wohnort abhängt – und damit zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land.
Die hohe Nachfrage zeigt: In der Amateurmusik gibt es Ideen, Engagement und Veränderungsbereitschaft. Häufig fehlt jedoch die Anschubfinanzierung, um daraus ein tragfähiges Vorhaben zu machen.
Über die Förderung entscheidet eine unabhängige Fachjury in sechs Kommissionen anhand transparenter Qualitätskriterien. In den ersten drei Ausschreibungsrunden wurden 604 Projekte in unterschiedlichen Musiksparten und Regionen Deutschlands gefördert.
Nachhaltige Hebelwirkung durch Wissenstransfer
Der Amateurmusikfonds ermöglicht frag-amu.de, das kostenfreie Praxisportal für das ehrenamtlich getragene Musikleben. Checklisten, Vorlagen, Leitfäden und Weiterbildungen geben verlässliche Antworten zu Vereinsorganisation, Recht und Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen, Nachwuchs und Gesundheit. So müssen Chöre, Orchester und Musikvereine Lösungen nicht immer wieder neu entwickeln: Sie können Wissen an ihre Situation anpassen, Veränderungen selbst gestalten und ihre Strukturen zukunftsfähig machen. Erprobte Lösungen bleiben dadurch nicht in einzelnen Projekten gebunden, sondern werden aufbereitet und dauerhaft weitergegeben. So endet die Wirkung nicht mit dem Förderzeitraum: Aus lokalem Lernen wird bundesweit nutzbares Wissen.
Die geförderten Vorhaben greifen konkrete Herausforderungen auf und entwickeln Lösungen, die auch anderen Ensembles zugutekommen.
Der Bundesmusikverband Chor & Orchester setzt den Fonds mit einer etablierten Förderstruktur zügig und verlässlich um. Die Mittel erreichen schnell die Praxis und fließen zu 100 Prozent ab. Hohe Nachfrage, vollständiger Mittelabfluss und bundesweite Reichweite zeigen: Die Finanzierung trifft auf einen nachgewiesenen Bedarf und eine leistungsfähige Umsetzungsstruktur.
Setzen Sie sich in den parlamentarischen Haushaltsberatungen dafür ein, den Ansatz für den Amateurmusikfonds um 1,6 Millionen Euro auf 4,6 Millionen Euro anzuheben. Bringen Sie das Anliegen in Ihre Fraktion ein und stimmen Sie sich dazu mit den für den Kulturetat zuständigen Berichterstatter*innen im Haushaltsausschuss sowie den kulturpolitischen Sprecher*innen Ihrer Fraktion ab.
Quellen: Deutsches Musikinformationszentrum: Amateurmusizieren in Deutschland (2025); BMCO: Verband und Reichweite; BMCO: Veranstaltungen der Amateurmusik; Koalitionsvertrag 2025; Bundesministerium der Finanzen: Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027; Amateurmusikfonds des BMCO; ergänzend interne Förderdaten des BMCO (Stand: Juli 2026). Der Bundesmusikverband Chor & Orchester führt den Amateurmusikfonds im Auftrag des Bundes durch.