Kongress „Musizieren für und mit Menschen mit Demenz“: Zentrale Erkenntnisse jetzt nachlesen

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Trossingen, 7. Mai 2026
 
Der Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) fordert, Amateurmusik als Teil der Demenzprävention anzuerkennen. Beim Fachkongress „Musizieren für und mit Menschen mit Demenz – Perspektiven für Chöre und Instrumentalensembles“ brachte der BMCO rund 100 Expert*innen aus Musik, Pflege, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Jetzt ist der Veranstaltungsnachbericht erschienen, der die zentralen Erkenntnisse des Kongresses kompakt zusammenfasst. (Foto: Martina Dach)
 
Am 25. und 26. April 2026 hatte der Bundesmusikverband Chor & Orchester in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe zum Fachkongress nach Karlsruhe eingeladen, um die Ergebnisse des vierjährigen Förderprogramms „Länger fit durch Musik!“ zu präsentieren und zu diskutieren. Der Verband hat damit ein Forum geschaffen, in dem sich Ensembles, Initiativen und Pflegeeinrichtungen direkt austauschen und für die weitere musikalische Arbeit mit Menschen mit Demenz informieren und weiterbilden konnten.
 
„Rund 45 Prozent der Demenzerkrankungen sind positiv beeinflussbar – etwa durch soziale und kognitive Aktivität wie beispielsweise gemeinsames Musizieren“, erläuterte Theresa Demandt, Geschäftsführerin des Bundesmusikverbands Chor & Orchester. Sie forderte: „Amateurmusik leistet einen wichtigen Beitrag zur Demenzprävention. Sie sollte deshalb im Gesundheitssystem stärker mitgedacht werden. Musikensembles schaffen soziale Nähe, halten geistig aktiv und unterstützen das seelische Wohlbefinden – regelmäßig, vor Ort und für viele Menschen zugänglich. Diese Wirkung muss anerkannt werden. Amateurmusikangebote sollten gezielt unterstützt und als Teil einer umfassenden Präventionsstrategie fest verankert werden.“
 
Zentrale Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft
Die Keynotes von Prof. Dr. Kai Koch, Dr. Birgit Teichmann und Franziska Heidemann machten deutlich, wie stark Musik zu emotionaler Stabilisierung, Stressreduktion, positivem Kommunikationsverhalten sowie zur Aktivierung und sozialen Teilhabe von Menschen mit Demenz beitragen kann. Erste Ergebnisse aus der Begleitforschung des Förderprogramms „Länger fit durch Musik!“ zeigen, dass regelmäßiges gemeinsames Musizieren nicht nur Erinnerungen weckt, sondern auch Selbstwirksamkeit und Orientierung stärkt. Ein Instrument zur Sensibilisierung sind die vom BMCO entwickelten Demenz Partner Schulungen mit musikalischem Fokus, bei denen grundlegendes Wissen über Demenz und Musik vermittelt wird.
 
Der Pflegewissenschaftler und Gerontologe Prof. Dr. Bernd Reuschenbach betonte in seiner Keynote die Chancen und Fördermöglichkeiten, aber auch die strukturellen Grenzen musikbasierter Angebote in der Pflege. Reuschenbach ordnete verschiedene sozialrechtliche Grundlagen ein und zeigte auf, unter welchen Voraussetzungen musikalische Angebote im Rahmen von Pflegeversicherung, sozialer Betreuung, Eingliederungshilfen oder Gesundheitsförderung bezuschusst werden können.
 
Workshops zeigen Vielfalt der methodischen Ansätze und Input für die Praxis
Wer Musik macht, kann unmittelbar dazu beitragen, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an Angeboten teilhaben zu lassen und eine demenzfreundliche Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Wie das vielfältig und praxisnah gelingen kann, zeigten die Workshops des Kongresses. In mehr als einem Dutzend Formaten erhielten die Teilnehmenden von Expert*innen konkrete Methoden an die Hand – von demenzsensibler Chor- und Ensemblearbeit über intergenerationelle Probenmethoden und musikgeragogischen Ansätzen bis hin zu inklusiver Konzertgestaltung, Drum-Circle-Formaten, Tanzen im Sitzen und interkultureller Musikarbeit.
 
Alle Anregungen, Methoden, Erklärvideos, Vorlagen und Hilfestellungen für demenzsensibles Musizieren sind ab sofort in unserem digitalen Methodenkoffer auf dem Infoportal www.frag-amu.de/inspirieren/demenz zu finden.
 
Gesellschaftliche Bedeutung im Fokus: Amateurmusik als Präventionsfaktor
In der Podiumsdiskussion „Taktgefühl und Tatkraft – Teilhabe, Sorge und Gemeinschaft gestalten“ diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verbänden und Wissenschaft über die Rolle der Amateurmusik in einer demenzsensiblen Gesellschaft. Die Diskussion machte eindrücklich deutlich, dass Musik weit mehr ist als ein ergänzendes Angebot. Chöre und Instrumentalensembles wirken präventiv, schaffen Begegnung, ermöglichen Teilhabe – sowohl für Menschen mit und ohne Demenz, als auch für Angehörige – und können Brücken zwischen Generationen und Professionen schlagen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für eine demenzfreundliche Gesellschaft. Die Runde identifizierte jedoch vielfach noch „blinde Flecken“ wie das Einbeziehen von Menschen mit Migrationsgeschichte.
 
Auch die Zukunft der Strukturen, Ausbildungssysteme und die Zusammenarbeit mit weiteren Initiativen waren im Fokus der Diskussion. Durch das Förderprogramm „Länger fit durch Musik“ hatten 43 Modellprojekte die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen und in die Praxis umzusetzen. Sie sind nun besser auf die Realität einer steigenden Zahl von Demenz-Betroffenen vorbereitet.
 
Fazit
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie groß das Potenzial musikbasierter Angebote ist – und wie wichtig es bleibt, Menschen mit Demenz in der Mitte der Gesellschaft zu halten. Entscheidend ist jetzt, dass dieses Wissen und die erarbeiteten Erkenntnisse und Methoden in die Breite der Gesellschaft getragen werden. Die Initiativen, die sich bereits auf diesen Weg gemacht haben, müssen gestärkt werden. Es braucht Unterstützung für starke Netzwerke und eine stabile und langfristige Struktur, damit diese Energie auch zukünftig wirken kann. Als aktiver Partner der Nationalen Demenzstrategie trägt der BMCO dazu bei, musikalische Teilhabe im Alter zu stärken und die Amateurmusiklandschaft für Menschen mit Demenz weiter zu öffnen.
 
 
Weiterführende Informationen:
• Zum Nachbericht: https://bundesmusikverband.de/wp-content/uploads/2026/05/260507_BMCO_Nachbericht_Kongress_Musik_Demenz.pdf
• Zur Bildergalerie: https://bundesmusikverband.de/foerderung/lfdm/kongress/
• Demenz Partner Schulungen: https://bundesmusikverband.de/foerderung/lfdm/demenz-partner-schulung/
• Digitaler Methodenkoffer „demensensibles Musizieren“: https://frag-amu.de/inspirieren/demenz/
 
 
Über „Länger fit durch Musik!“
 
Das Förderprogramm „Länger fit durch Musik!“ ist eine von mehr als 160 Einzelmaßnahmen, mit denen im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie der Bundesregierung bis 2026 die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen in Deutschland in allen Lebensbereichen verbessert werden soll.
 
Das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Programm des Bundesmusikverbands Chor & Orchester (BMCO) richtet sich an Instrumental- und Vokalensembles, Chöre, Orchester, Musikvereine und Kirchenmusikensembles aus dem Amateurmusikbereich. Gefördert wurden musikalische Projekte, die Menschen mit Demenz und/oder pflegende Angehörige aktiv einbinden, zum Beispiel bei regelmäßigen gemeinsamen Proben, Workshop- oder Konzertreihen. Eine Fachjury hat in zwei Förderrunden insgesamt 43 Modellprojekte ausgewählt. Weitere Bausteine des Programms sind die wissenschaftliche Begleitung, eine Weiterbildungsreihe und Sensibilisierungskampagnen.
 
Alle Informationen zum Förderprogramm stehen unter bundesmusikverband.de/demenz zur Verfügung.
 
 
Pressefotos:
 

Bei der Podiumsdiskussion „Taktgefühl und Tatkraft – Teilhabe, Sorge und Gemeinschaft gestalten“ diskutierten (v. l. n. r.) Prof. Dr. Kai Koch (Moderation), Sven Paul (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Claudia Vonstein (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), Dr. Rosa Adelinde Fehrenbach (Deutsche Alzheimer Gesellschaft), Nadine Gold (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen), Dr. Kerstin Jaunich (Bundesinitiative Musik & Demenz), Theresa Demandt (Bundesmusikverband Chor & Orchester) und Miriam Tressel (Projektleiterin „Musik unvergessen“ im Programm „Länger fit durch Musik!“) über die Bedeutung von Amateurmusik in einer demenzsensiblen Gesellschaft. Foto: Martina Dach
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Bundesseniorenministerin Karin Prien begrüßte die Teilnehmenden des Kongresses per digitalem Grußwort und betonte die Bedeutung von Musik für Prävention und Lebensqualität im Alter. Foto: Martina Dach
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Prof. Dr. Kai Koch hielt die Keynote „Musik als Brücke im Vergessen: Forschung, Praxis und internationale Perspektiven zu Musik und Demenz“, gemeinsam mit Dr. Birgit Teichmann und Franziska Heidemann. Im Mittelpunkt standen wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre praktische Anwendung.
Foto: Martina Dach
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In Workshops erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in Methoden des demenzsensiblen Musizierens und erprobten musikalische Ansätze für die Arbeit mit Menschen mit Demenz.
Foto: Martina Dach
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Der Demenz Simulator veranschaulichte eindrücklich die Herausforderungen des Alltags für Betroffene – unter anderem durch Koordinations- und Geschicklichkeitsaufgaben vor einem Spiegel.
Foto: Martina Dach
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Über den BMCO:
Der Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) ist der Spitzenverband der Amateurmusik in Deutschland. Der BMCO repräsentiert 21 bundesweit tätige weltliche und kirchliche Chor- und Orchesterverbände mit insgesamt ca. 100.000 Ensembles. Er vertritt die Interessen von 16,3 Millionen Menschen, die in ihrer Freizeit Musik machen, gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Hauptsächliches Ziel des BMCO ist es, die Musikausübung breiter Bevölkerungsschichten zu aktivieren, die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zu verbessern sowie die öffentliche Wahrnehmung der Amateurmusik zu stärken.
 
Pressekontakt
 
Melanie Wollenweber | Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesmusikverband Chor & Orchester
Tel: +49 (0)30 609 807 81 – 55
E-Mail: wollenweber@bundesmusikverband.de
 
Fachlicher Ansprechpartner
 
René Schuh
Projektleitung des Förderprogramms
„Länger fit durch Musik!“
Tel: +49 0 7425 32 88 06 – 47
E-Mail: schuh@bundesmusikverband.de