Warum Amateurmusik den richtigen Ton für die Zukunft unseres Landes setzt

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Die großen Herausforderungen unserer Zeit sind offensichtlich und vielfältig: Klimawandel, demografischer Wandel, wirtschaftliche Transformation, Integration und steigender finanzieller Druck für viele Menschen – die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.
Für all diese Themen werden Lösungen diskutiert – die von vielen Menschen in meiner Umgebung oft als zu technisch, zu kurzfristig wirkend, zu spät kommend oder als zu wenig konkret und hilfreich wahrgenommen werden.
 
Was dabei aus meiner Sicht häufig zu kurz kommt: Diese Herausforderungen haben nicht nur eine politische oder wirtschaftliche Ebene. Sie sind vor allem gesellschaftlich. Denn selbst die besten Maßnahmen werden nur dann wirken, wenn sie auf eine Gesellschaft treffen, die sie tragen kann und will.
Und genau hier fehlt mir ein Aspekt in den vielen Debatten.
 
Wir erleben aktuell eine Situation, in der viele berechtigterweise mehr Unterstützung einfordern – gleichzeitig aber die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen, meiner Wahrnehmung nach nicht im gleichen Maße wächst. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beobachtung in einer zunehmend von komplexen und multiplen Krisen belasteten und überlasteten Gesellschaft.
 
Die entscheidende Frage ist daher: Wo lernen wir heute noch, Verantwortung zu übernehmen, Verbindlichkeit einzugehen und gemeinsam etwas zu gestalten?
Eine mögliche Antwort liegt näher, als man zunächst denkt.
 
In den knapp 100.000 Chören und Orchestern, in Amateurmusikensembles im ganzen Land, in urbanen wie ländlichen Räumen kommen Menschen regelmäßig zusammen. Sie investieren Zeit, engagieren sich ehrenamtlich, übernehmen Verantwortung und erleben, was es bedeutet, Teil eines größeren Ganzen zu sein.
Das ist mehr als kulturelle Betätigung, mehr als ein Hobby.
Hier findet genau das statt, was wir uns gesamtgesellschaftlich wünschen:
 

  • Zusammenhalt
  • Engagement
  • Integration im Alltag
  • aktive Teilhabe statt passiver Erwartung
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    Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten ist zu betonen: Lebensqualität entsteht nicht allein durch Einkommen. Gemeinschaft, Sinn und Zugehörigkeit sind zwar kein Ersatz für finanzielle Stabilität – aber sie führen dennoch zu Stabilität im Leben.
     
    Amateurmusik wird die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht lösen können, das ist mir klar. Aber ich bin fest davon überzeugt: Ohne die sozialen, persönlichen und methodischen Kompetenzen die u. a. durch das aktive Musizieren in der Gruppe entstehen und gefördert werden, können wir es nicht schaffen.
    Deshalb sollten wir die 16,3 Millionen Menschen, die in Deutschland in ihrer Freizeit musizieren, nicht als „Nice-to-have“ betrachten, sondern als Teil der gesamtgesellschaftlichen Infrastruktur, die unser Land trägt und damit Teil des Fundaments für unsere Zukunft ist.
     
    Vielleicht liegt genau hier ein Teil der Antwort auf die Frage, wie wir wieder zu einem gemeinsamen Verständnis davon kommen, wie Zukunft gelingen kann: Durch gelebte Praxis und einen guten Ton im Alltag.
     
    Foto: Andreas Klug