"Die Alexandertechnik schult, wie wir gut mit uns selbst umgehen"

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In zahlreichen Studien ist der positive Einfluss von Musik auf die Gesundheit belegt und deshalb beschäftigt sich der Bundesmusikverband Chor & Orchester intensiv mit den Wechselwirkungen beider Bereiche, zum Beispiel im Grundsatzreferat oder im Rahmen des Förderprojekts „Länger fit durch Musik!“, das die positive Wirkung von Musik auf Menschen mit Demenz unterstützt. Der BMCO ist außerdem mit der Musiktherapeutischen Gesellschaft, der Musikgeragogischen Gesellschaft und dem Deutschen Musikrat Träger der Bundesinitiative „Musik und Demenz“ (BIMuD).
 
Im Deutschen Musikrat ist auch der Alexander-Technik-Verband Mitglied. Die Alexander-Technik ist eine pädagogische körperorientierte Methode, welche die Selbstwahrnehmung für Bewegungs- und Handlungsmuster schult. Die Techniken können auch eine Inspiration für den musikalischen Bereich sein. Im Interview beleuchtet Teresa Brunnmüller, Alexander-Technik-Coach und Vorstandsmitglied des Alexander-Technik-Verbands Deutschland e. V., die Zusammenhänge zwischen Stress, Musik und körperorientierter Gesundheitsförderung.
 
Warum ist Stress aus gesundheitlicher Sicht ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft?
Stress begünstigt nachweislich zahlreiche Erkrankungen: von Burnout über Herz-Kreislauf-Leiden bis hin zu psychischen Störungen und Infektanfälligkeit. Dennoch erleben viele Menschen Stress als ihren täglichen Begleiter: das Nervensystem ist dabei dauerhaft alarmiert, Hektik wird zum gewohnten Grundmodus. Man verliert das Gefühl von persönlichem Handlungsspielraum, bis auch die körperlichen Symptome die eigene Gesundheit und Lebensqualität stark einschränken.
 
Wie genau setzt die Alexander-Technik hier an – und was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Ansatz?
Die Alexander-Technik setzt an unseren alltäglichen Denk-, Bewegungs- und Reaktionsmustern an. Oft handeln und bewegen wir uns mit mehr Anspannung, als nötig wäre. Diese gewohnheitsmäßige Übersteuerung läuft unbewusst ab, kostet Energie und belastet den Körper. Die Alexander-Technik schult, wie wir uns durch bewusste Steuerung effizienter, leichter und koordinierter bewegen und leben – umfassend „gut“ mit uns selbst umgehen und unsere Gesundheit „nebenbei“ verbessern.
 
Die Alexander-Technik gilt als körperorientierter Weg zur Gesundheitsförderung. Wo sehen Sie Parallelen oder Synergien zur Amateurmusik? Lassen sich beide Bereiche auch sinnvoll verbinden?
Beide Bereiche fördern auf unterschiedliche Weise die Regulation des Nervensystems und stärken das Erleben von Selbstwirksamkeit. Sie führen aus dem Re-Agieren ins Gestalten. Ihre Kombination ist (wie im Bereich Profi-Musik schon verbreitet angewendet) besonders fruchtbar: Die Alexander-Technik hilft, beim Musizieren unbewusste Anspannung und Fehlbelastung zu vermeiden – damit schmerzfreies Spiel und Gesundheit langfristig erhalten bleiben.
 
Viele Menschen erleben sowohl Musizieren als auch Alexander-Technik als Möglichkeit zur Selbstregulation, Stressbewältigung und Steigerung des Wohlbefindens. Welche Impulse oder Angebote wären aus Ihrer Sicht hilfreich, um diese Wirkungen stärker in der Prävention und Gesundheitsförderung zu verankern?
Um das enorme Potenzial von Musizieren und Alexander-Technik auszuschöpfen sollten beide verstärkt in Präventionskonzepte eingebunden werden – eine Bezuschussung durch Krankenkassen wären z.B. wichtige Signale. Es sollten mehr Angebote an Schulen und Musikschulen entstehen, die achtsames Musizieren und körpergerechtes Lernen miteinander verbinden. So würden sowohl körperliche als auch seelische Ressourcen gestärkt und langfristig die Gesundheitskompetenz gefördert.
 
Das Interview zeigt: Sowohl aktives Musizieren im Chor oder Orchester als auch körperorientierte Methoden wie die Alexander-Technik fördern Entspannung, stärken mentale Gesundheit und steigern das Wohlbefinden. Diese Parallelen machen deutlich, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf Prävention ist – insbesondere auch im Bereich der Amateurmusik und ihrer gesundheitsfördernden Potentiale.
 
Wird Stress immer öfter wahrgenommen, wird Prävention immer wichtiger. Achtsames Musizieren kann mit körpergerechtem Lernen verknüpft und ein wichtiger Baustein in einer Strategie sein, mentale Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig zu verbessern.

(Foto: ATVD)