Wissenschaftliche Grundlagen für den Neustart in der Amateurmusik

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Die SARS-CoV-2-Pandemie hat Chöre und Orchester in einem bisher nie dagewesenen Ausmaß getroffen. 14,3 Millionen Menschen in Deutschland (Studie Musikinformationszentrum) musizieren in ihrer Freizeit. Seit Beginn der Pandemie musste ein Großteil dieser Ensembles ihre Aktivitäten einstellen oder digital fortführen.

 

Obwohl viele Musikverbände auf Basis einzelner Studien Leitfäden für Hygienekonzepte erarbeiten konnten, fehlte bisher jedoch eine vollständige Übersicht über die bisherigen Forschungen und Studienergebnisse zum Spannungsfeld Musizieren unter Pandemiebedingungen.

 

Das Cluster „Wissenschaftliche Grundlagen“ des Kompetenznetzwerks NEUSTART AMATEURMUSIK hat den aktuellen Forschungsstand zum Thema Musizieren in Pandemiezeiten aufgearbeitet und die aktuellen Forschungsergebnisse für diverse musikalische Formen in einer Publikation zusammengestellt. Die Publikation „Grundlagen für das Musizieren unter Pandemiebedingungen“ bündelt Forschungsergebnisse führender Forschungsinstitute in Deutschland zu diesem Thema und bietet mit dieser Übersicht eine Basis für die Erarbeitung von Hygienekonzepten sowie eine Grundlage für kulturpolitische Entscheidungen. Das Grundlagen-Papier wird laufend aktualisiert und spiegelt den aktuelle wissenschaftlichen Stand wider.

 

Publikation „Grundlagen für das Musizieren unter Pandemiebedingungen

Stand: 15. Februar 2022

Empfehlungen als Grundlage für Hygienekonzepte

Die einzelnen Punkte werden mit wissenschaftlichem Hintergrund zum SARS-CoV-2 Infektionsgeschehen und Empfehlungen anderer Einrichtungen auf darauffolgenden Seiten im Detail erläutert.
Die Einhaltung der aktuellen, regional gültigen Corona-Verordnung hat stets Vorrang, sodass nicht sämtliche hier aufgeführten Maßnahmen zwingend notwendig sind. Je nach den konkreten Umständen vor Ort reduzieren bereits eine Auswahl dieser Maßnahmen deutlich das Infektionsrisiko beim Musizieren. Grundsätzlich haftet niemand für eine Infektion. Auch der Veranstaltende von Proben und Konzerten kann nicht für eine Infektion haftbar gemacht werden, sofern die geltenden Regeln erfüllt sind. Mehr hierzu, insbesondere zum Sorgfaltsmaßstab auf https://frag-amu.de/wiki/haftung-bei-infektionen/.
Die Anwendung der Maßnahmen kann das Infektionsrisiko zwar nicht völlig ausschließen, jedoch deutlich reduzieren, sodass Proben und Veranstaltungen im Amateurmusikbereich möglich sind.

 

Impfen und Coronatests

Impfen und Coronatests

Die Impfung bietet einen guten individuellen Schutz, nicht schwer an COVID-19 zu erkranken.
Zusätzlich bremst die Impfung die Ausbreitungsdynamik ab. Im Falle der neuen Virusvarianten bieten zusätzliche Coronatests auch bei geimpften Personen mehr Sicherheit, um Ansteckungen
zu vermeiden.
Antigentests (Schnell- und Selbsttests) bieten eine schnelle und einfache Möglichkeit, ansteckende Personen von Veranstaltungen fernzuhalten. Sie erkennen insbesondere hohe Virenlasten in
den Atemwegen.
– negativ = eher nicht ansteckend, weiterhin AHA+L-Regeln beachten.
– positiv = vermutlich ansteckend, sich isolieren und durch PCR-Labortest überprüfen lassen.
Die Aussagekraft eines negativen Testergebnisses ist zeitlich beschränkt (maximal 48 h). Für höhere Sicherheit sollten die Tests erst kurz vor dem gemeinsamen Musizieren durchgeführt werden.

Teilnehmende und Kontaktdaten

Teilnehmende und Kontaktdaten

Die verantwortungsbewusste Teilnahme wird durch persönliche Kontaktanalyse der vorangegangenen 2 bis 3 Tage sowie durch persönliche Kontrolle möglicher Krankheitssymptome von allen Teilnehmenden gewährleistet. Zusätzlich bietet eine hohe Impfquote und ergänzende Coronatests mehr Sicherheit. Zur Einhaltung des Abstands ist der kontaktlose Einlass, eine geregelte Wegführung, falls nötig
getrennte Ein- und Ausgänge, das Vermeiden von Warteschlangen und feste Plätze sinnvoll.
Die Erfassung der Kontaktdaten (DSGVO-konform) aller Teilnehmenden zur evtl. Rückverfolgung und Meldung an das Gesundheitsamt wird empfohlen. Aufgenommen werden sollten Vorname, Familienname, Anschrift oder Telefonnummer, das Datum und der zeitliche Rahmen des Zusammentreffens.
Die Kontaktdatenerfassung ist auch per App (Abschnitt 4.2) bzw. digitaler Anwesenheitsliste beim Probenbetrieb möglich. Beachtet werden sollten dabei evtl. datenschutzrechtliche Lücken der jeweiligen Software.

Abstands- und Hygienemaßnahmen

Abstands- und Hygienemaßnahmen

Allgemein: Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske und Lüften (AHA+L-Regeln).
Abstand verhindert keine Ansteckung über Aerosole in geschlossenen Räumen.
Ein Abstand von 1,5 Metern, Gesichtsvisiere und Trennwände oder das Tragen von Masken bieten einen Schutz vor Tröpfcheninfektion, insbesondere bei Gesprächen (face-to-face).
Bei Aufstellungen ohne direkten Blickkontakt (wie bei Chor, Orchester) oder mit Trennwänden wird der Abstand zweitrangig. Der Abstand zwischen musikalisch Leitenden und den Musizierenden sollte großzügig eingehalten werden oder Masken getragen werden.
Versetzte Aufstellung der Musizierenden und des Publikums (Schachbrettmuster).
Musizierende sollten ihr Kondenswasser aus dem Instrument auffangen und sicher entsorgen.
Gemeinsame Nutzung von Instrumenten und Gegenständen vermeiden (bei Austausch fachgerecht reinigen/desinfizieren).

Tragen von Masken

Tragen von Masken

Bei Kontakt mit Personen aus anderen Haushalten sollten Schutzmasken möglichst durchgehend und korrekt sitzend getragen werden (eng anliegend, ohne Lücken/Leckagen).
OP-Masken sind ein guter Tröpfchenschutz und dicht anliegende FFP-Masken schützen zusätzlich vor der Ansteckung über Aerosole in geschlossenen Räumen.
Masken mit Ausatemventil sollten grundsätzlich nicht getragen werden, sie bieten nur einen Eigenschutz.
Die Maske sollte nur an den dafür vorgesehenen Bändchen angefasst werden

Lüften- und Lüftungstechnik

Lüften- und Lüftungstechnik

Ab einem Austausch oder Reinigung der Raumluft von etwa 50 − 75 m3 pro Stunde und Person ist von einer ausreichenden Entfernung der potentiell infektiösen Aerosole auszugehen.
Kontrolliertes Lüften: Häufigkeit und Dauer sollte durch Überwachung der Raumluftqualität mittels CO2-Messungen erfolgen.
Freies Lüften ist mit dem Prinzip des Stoß- und Querlüften am effektivsten.
Raumlufttechnische Anlagen sollten mit dem Prinzip der Quell-Lüftung und 100 Prozent Frischluftzufuhr betrieben werden (sehr gute Belüftung möglich).
Raumlufttechnische Anlagen im Umluftbetrieb sollten möglichst vermieden werden oder nur z. B. mit der Kombination von Filtervliese F7 und F9 nach DIN EN 779:2012 eingesetzt werden.
Luftreiniger können ergänzend zum freien Lüften genutzt werden, z. B. für Räume mit schlechter Lüftungsmöglichkeit. Ab einer Reinigung von 50 − 75 m3 pro Stunde und Person, ist bei der Kontrolle der Raumluftqualität ein CO2-Gehalt kleiner 1000 ppm bereits ausreichend-

CO2-Messung

CO2 Messung

Da CO2 genauso durch die menschliche Atmung entsteht wie eventuell virenbelastete Aerosolpartikel, kann die CO2-Konzentration als Indikator für die Konzentration ausgeatmeter Aerosolpartikel angenommen werden. Kontinuierliche CO2-Messungen und daraus abgeleitete Lüftungs- und Pausenregelungen sind deshalb eine gute Möglichkeit, um das Infektionsrisiko in Verbindung mit anderen Maßnahmen deutlich zu reduzieren.
Als Grenzwert wird eine CO2-Konzentration von 800 ppm empfohlen.
Ausreichend genaue CO2-Monitore (auch als CO2-Ampeln bekannt) sind im Handel relativ kostengünstig erhältlich (Abschnitt 8.3).

Parameter des Veranstaltungsorts

Parameter des Veranstaltungsorts

Große Räume wie z. B. Kirchen oder Hallen bevorzugt nutzen, das Raumvolumen pro Person und die Lüftung sind entscheidend.
Lüftungskonzept für den jeweiligen Raum erstellen (Kapitel 7, Kapitel 8).
Maximale Raumbelegung und Aufenthaltszeit reduzieren.
Veranstaltungen im Freien sollten, aufgrund des geringeren Infektionsrisikos (optimale Belüftung, Inaktivierung der Viren durch UV-Strahlung), bevorzugt werden.
Die Maske kann im Freien und in geschlossenen Räumen bei sehr guter Lüftung am festen Platz abgenommen werden.
Im Freien sind Masken nur bei face-to-face-Situationen sinnvoll.
Individuelle Risikoeinschätzung unter Berücksichtigung der Impfquote, dem Schutzbedarf der Teilnehmenden (Altersstruktur) oder örtlichen Gegebenheiten wie dem Infektionsgeschehen und der Raumsituation.
Modellrechner (Abschnitt 9.3) zur Risikoeinschätzung können als Ergänzung zu Hygienekonzepten genutzt werden (Achtung: nur theoretische Annahmen).

Risikobetrachtung - Ein exemplarischer Proberaum

Risikobetrachung – Ein exemplarischer Proberaum

Risikoabschätzung für zwei konkrete Ereignisse: Probe und Konzert.
Den besten Schutz bieten korrekt getragene FFP2-Masken.
Ein gleichwertiger Schutz kann durch die Kombination folgender Maßnahmen erreicht werden:
– sehr guter Belüftung (technische Lüftung / RLT-Anlage oder kontrollierte Lüftung und Luftreiniger).
– Antigentest aller Anwesenden (bei Inzidenz über 50).
Bei höheren Inzidenzen sind größere Veranstaltungen so auszulegen, dass von infizierten Personen kein Risiko ausgeht – ihre Anwesenheit lässt sich nicht ausschließen

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Positive Aspekte das Musizierens

Die Folgen der Pandemie sind weitreichend und haben unter anderem auch das musikalische Kulturleben zeitweise zum Erliegen gebracht oder stark eingeschränkt. Die Auswirkungen betreffen nicht nur einzelne Personengruppen, sondern das psychische Wohlbefinden der allgemeinen Bevölkerung leidet unter der Pandemie. Deshalb ist es umso wichtiger, die positiven Aspekte des Musizierens in unser Bewusstsein zu rücken und als gesundheitliche Ressource zu nutzen.

 

Die Publikation „Positive Aspekte des Musizierens“ ist eine Zusammenstellung des Kompetenznetzwerks NEUSTART AMATEURMUSIK. Sie gibt einen Überblick der positiven Aspekte des Musizierens auf Basis wissenschaftlicher Publikationen und Studien. Die positiven Aspekte des Musizierens werden im ersten Kapitel in drei Themenfeldern zusammengefasst und kompakt erläutert. Die Aspekte werden in den anschließenden Kapiteln in ihrem wissenschaftlichen Kontext ausgeführt und dargelegt. Die vorliegende Publikation bildet die wissenschaftliche Basis für die Öffentlichkeitskampagne: Die Drei Plus – Positive Aspekte des Amateurmusizierens.

 

*Die Publikation wird laufend aktualisiert, sodass vorherige Versionen durch die aktuelle Ausgabe abgelöst werden.

1 Die 3 PLUS für das Musizieren

1.1 Das Gesundheits-PLUS

1.2 Das Bildungs-PLUS

1.3 Das Gemeinschafts-PLUS

2 Musik und Körper

2.1 Körperliche Reaktionen auf Musik

2.2 Musikalisches Training bei „Long COVID“

2.3 Neuronale Anpassung

2.4 Verbundenheit und Synchronisation untereinander

3 Musizieren in Kindheit und Jugend

3.1 Förderung der emotionalen Kompetenz

3.2 Unterstützung in der schulischen Entwicklung

3.3 Entwicklung von gegenseitigem Verständnis

3.4 Belastungen durch die Pandemie

4 Musizieren im Alter

4.1 Verzögerung des Alterungsprozesses

4.2 Nutzen der Reservekapazitäten bis ins hohe Alter

4.3 Wohlbefinden und fit bleiben

4.4 Aufrechterhaltung des sozialen Lebens

5 Musik und ihre Bedeutung für die Gesellschaft

5.1 Soziale Funktionen

5.2 Gemeinschaftsbildung

5.3 Kollektive Krisenbewältigung

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